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Against the wind

Aktualisiert: 16. Dez. 2023


Against the wind part 1: A journey of discovery
Against the wind Teil 1: Entdeckungsreise

Armadong Kali ist ein Kampfkunstsystem mit einfachen Richtlinien:


  1. Angriff vor Verteidigung

  2. Keine untätige Hand, keine untätigen Füße

  3. Zum Nachdenken anregender Lernprozess (thought provoking process)


Jede dieser Richtlinien hat wichtige praktische Auswirkungen auf die Ausführung des Systems und jede wird in einem eigenen Artikel behandelt. Der Artikel, den Sie gerade lesen, konzentriert sich auf den Thought Provoking Process (Denkanstoß als Lehrmethode).


Thought Provoking Process in den Filipino Martial Arts


Das erste Mal, dass ich bewußt mit dem Unterrichten durch den Thought Provoking Process in Berührung kam, war, als ich begann die philippinischen Kampfkünste zu erkunden. Zu dieser Zeit hatte ich bereits einen Hintergrund von 15 Jahren Kampfsporttraining – hauptsächlich in Karate, Kickboxen, Ving Tsun und westlichem Boxen.


Der Grund, warum ich mit dem Training der philippinischen Kampfkünste begann, war, dass ich eine pragmatische Art der Verteidigung gegen Messer oder Stöcke lernen wollte. Ich hatte nicht erwartet, dass ich eine neue Denkweise kennen lernen würde, die meine Sicht auf die Welt verändern sollte.


Verantwortlich für diesen Wandel war, was mein FMA-Mentor den "Thought Provoking Process", also "Lehren durch Denkanstöße" nannte. Seine Methode unterscheidet sich von anderen Lehrmethoden dadurch, dass er den Schülern keine Formen oder Bewegungsabläufe als vorgefertigte Lösungen vorgibt. Stattdessen sollte das System gelehrt werden, indem man die Schüler praktische Situationen in einer sicheren und kontrollierten Umgebung erleben lässt und ihnen hilft, die Situation auf der Grundlage ihrer eigenen Erfahrung und Logik zu analysieren, zu verstehen und zu lösen.


Durch die Anwendung des Denkanstoßes als Lehrmethode entdecken und validieren die Übenden das System durch ihre eigene persönliche Erfahrung und Logik. In diesem Prozess ist es das Ziel der Lehrer, ihren Schülern zu helfen, die Aufgabe zu durchdringen, erste Antworten zu finden, ihre Fragen weiter zu verfeinern und sie anzuregen, bei der Suche nach besseren Antworten aktiv zu bleiben.


Das Gegenteil von Lehren durch Denkanstöße ist Lehren durch Formen (Kata, Poomse, Drills,...). Das Lehren durch vorgefertigte Lösungen (Einzelformen oder Partnerformen) ist in den Kampfkünsten auf der ganzen Welt ziemlich verbreitet. Während ich diesen Artikel schreibe, fallen mir nur das westliche Boxen und das westliche Ringen als Beispiele für bekannte Kampfsportarten ein, in denen diese Art von Formen nicht verwendet wird.


Es scheint also, dass diese Formen die vorherrschende Lehrmethode in den meisten bekannten Kampfkunstschulen sind. Dafür gibt es Gründe: Ein Grund ist, dass das Lehren von Formen einfach ist. Egal wie klein oder groß die Trainingsgruppe ist, selbst bei Desinteresse: wenn der Lehrer ein festes Muster, eine Form oder eine Übung hat, wird er immer in der Lage sein zu unterrichten. Ein weiterer Grund dafür, dass Formen häufig verwendet werden, ist, dass das Erlernen einer Form den Schülern ein starkes Gefühl der Zufriedenheit vermittelt: "Ich habe es auswendig gelernt" – "Ja, ich habe es verstanden". Das Erlernen und Wiederholen von Formen ist bequem und manchmal auch unheimlich befriedigend. Im Scherz bezeichne ich das als den Nike-Effekt: "Just do it" (keine Notwendigkeit zu denken).


Lehren durch Denkanstoß hält das System lebendig und valide


Wenn das System durch Denkanstoß gelehrt wird, dann rekonstruiert jede Generation von Schülern nicht nur das System, sondern sie überprüft dabei auch seinen Wahrheitsgehalt. Dadurch hält der Lehrprozess das System lebendig und gültig. Das Lehren durch Denkanstoß bewirkt, dass der Schüler selbst entdeckt. Es gibt den Schülern den Stolz und das Selbstvertrauen, dass sie es geschafft haben, ihr eigenes System zu konstruieren.


Der Einsatz von Unterricht durch Denkanstöße ist ein sehr wirkungsvolles Instrument, das jedoch auch einige Nachteile hat.


Einer dieser Nachteile ist, dass die Ergebnisse stark von der Qualität der Mentor-Mentee-Beziehung abhängen. Jede Unterrichtsstunde erfordert ein hohes Maß an Engagement und Ehrlichkeit, vor allem vom Lehrer und auch vom Schüler. Das Unterrichten durch Denkanstoß geht nur in kleinen Gruppen gut, wenn auf die einzelnen eingegangen werden kann. Dies ist übrigens der Hauptgrund, warum ich Armadong Kali nur in kleinen Gruppen unterrichte.


Thought Provoking Process als Entdeckungsreise


Training durch Denkanstöße ist tatsächlich ein Lernprozess: Es ist eine Reise der Selbstentdeckung. Es erfordert Mut, Vertrauen und Entschlossenheit.


Es geht darum zu begreifen: Du bist ein einzigartiges und wertvolles Original. Du selbst musst auf dich achten. Du hast die Fähigkeit dazu!


Manchmal scheint es, als gäbe es keine einfachen Antworten: Vielleicht liegt es daran, dass wir die falschen Fragen stellen?


Manchmal gibt es Frustration: Unser Training, das auf der eigenen Erfahrung, Intelligenz und Logik basiert, befähigt uns Frustration und Ärger in konstruktives Handeln zu verwandeln.


Beim Training durch Denkanstoß geht darum, den Mut für den Alltag zu finden.


Wer willst Du jetzt sein?


Wie willst Du künftig werden?


Armadong Kali und das Lehren durch Entdecken werden dich befähigen, deine Antworten zu finden.


Tuhon Uli Weidle

Nov 7, 2018


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